[Blog] Offene Worte oder Lektorin vs. Freizeitleserin

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mal unverblümt schreiben, warum es hier so still ist, und das wird nicht so leicht sein, weil ich mir damit auch selbst etwas eingestehen  muss.

Ich habe im Februar und März im privaten Rahmen nur zwei Bücher gelesen und ich habe seit Monaten keinen Bock mehr auf Bibliofeles.

Puh, jetzt ist es raus. Eigentlich wollte ich so etwas erst am Schluss schreiben, statt mit der Tür ins Haus zu fallen, andererseits liegt hier genau das Problem: Ich erlaube es mir seit Monaten (wenn nicht sogar seit ein, zwei Jahren?) nicht mehr, mich auf Bibliofeles frei zu entfalten.

Aber mal von vorne:
Ich habe Ende 2010 mit dem Buchbloggen angefangen und damit eine Leidenschaft für mich entdeckt. Gelesen hab ich schon immer viel, aber endlich hatte ich auch eine Möglichkeit gefunden, in einem Alltag voller „Nichts“ etwas zu tun, das für mich einen Sinn ergab. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen – das Buchbloggen hat mich damals, in einer Zeit, in der ich sehr krank war, einigermaßen über Wasser gehalten und ist mit mir über die Jahre hinweg gewachsen.

Den ersten Knick im Bloggerleben gab es dann 2015, als ich wieder viel Zeit im Pferdestall verbrachte und neben dem Beruf und der nebenberuflichen Selbstständigkeit als Lektorin einfach kaum noch Platz war, privat ein Buch zu lesen, geschweige denn, darüber zu schreiben. Aber weil mir Bibliofeles am Herzen liegt, hab ich trotzdem irgendwie weitergemacht.

2016 dann die Entscheidung, dass ich nur noch als Lektorin arbeiten möchte und mich aus meinem Angestelltenverhältnis löse. Ich bereue diese Entscheidung keine Sekunde. Nie. Aber womit ich absolut nicht gerechnet hatte war, dass sich der Buchberuf irgendwie mit meinem Dasein als Freizeitleser überschneiden könnte, und da spreche ich jetzt nicht nur vom zeitlichen Aspekt. Das Problem liegt tatsächlich hauptsächlich im gewachsenen Anspruch – sowohl an Bücher als auch an mich selbst.

Ich habe früher nie Bücher abgebrochen, habe tatsächlich jeden Mist tapfer bis zum bitteren Ende gelesen und dann noch eine Rezension darüber geschrieben. Das kann ich heute nicht mehr. Sobald ich merke, dass ein Text kein Lektorat durchlaufen hat (oder noch schlimmer: kein Korrektorat), kann ich es nicht mehr lesen. Einerseits, weil ich in Gedanken ständig verbessere, andererseits weil ich nach und nach immer genervter werde, weil ich doch eigentlich nur privat unterhalten werden wollte und stattdessen indirekt mit Arbeit konfrontiert werde (und so sehr ich meinen Job mag – ich möchte nach Feierabend tatsächlich Feierabend haben ;D) … und dann kommt auch noch der innere Konflikt, dass ich weiß, der Autor möchte eine Rezension und ich kann ihm nur eine fachlich vernichtende schreiben, weil das Buch einfach noch nicht fertig ist … mal ganz davon abgesehen, dass ich in meiner Freizeit einfach keinen Bock auf Fachliches habe.

Aber das ist natürlich nicht das Hauptproblem. Meine Lösung lautet hier aktuell, dass ich einfach keine Selfpublisherbücher mehr als Rezensionsexemplar annehme, selbst wenn die Story noch so interessant klingt.

Ein anderes Problem ist der Anspruch an mich selbst. Ich arbeite als Lektorin und Korrektorin – Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik gehören zu meiner täglichen Arbeit und selbstverständlich kann ich das. Aber trotzdem bin ich nur ein Mensch und baue im schnellen Tippen den ein oder anderen Fehler ein oder vergesse auch mal ein Komma. Das passiert auch anderen Buchbloggern und theoretisch ist das nicht schlimm – ist ja nur ein Hobby. Aber ich muss davon ausgehen, dass auch potenzielle Kunden hier rumschleichen, und wie blöd kommt das denn, wenn ich hier Fehler in meine Texte baue. Also lese ich meine Texte nach dem Schreiben noch mal durch … und weil man ja als Schöpfer des Textes schnell betriebsblind ist, lasse ich auch meinen Mann noch mal drüberlesen … zweimal. Und das nimmt natürlich Zeit in Anspruch. Zeit die ich nicht habe, die er nicht hat und … mja – schwuppdiwupp wird Bibliofeles zur stressigen Arbeit statt zum Vergnügen. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Inhalt der Rezensionen, den ich selbstkritisch gefühlte hundertmal überarbeite.

Fest steht also, dass ich mich entscheiden muss. Möchte ich Bibliofeles professionell mit dem Lektorat verbinden? Oder möchte ich das hier endlich wieder nur zum Spaß machen und bewusst auf übertriebene Professionalität verzichten? Vielleicht sollte ich mir sogar erlauben, meine Rezensionen hier kurz zu halten?

Ja, ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, ganz aufzuhören. Aber … ich hab so viel Zeit in den Blog gesteckt und eigentlich mag ich es ja auch, hier über Bücher zu schreiben. Nur eben nicht mehr so, wie seit etwa ein, zwei Jahren, sondern mit Freude.

Ich bin gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird. Fest steht auf jeden Fall, dass ich das Layout überarbeiten möchte. Ich fühl mich hier auch optisch nicht mehr sonderlich wohl.

Bis bald, ihr Lieben <3.

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3 Responses to [Blog] Offene Worte oder Lektorin vs. Freizeitleserin

  1. Ich hoffe, Du findest für Dich einen Weg, das Hobby Lesen auch wirklich wieder als Hobby, ohne Zwänge, ohne Perfektionismus, ansehen und genießen kannst.

    Und sei Dir gewiss, ich lese hier trotz allem mit ;-)

    Liebst
    Bine

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